Prävention der Demenz: Risikofaktoren und Ursachen

Trotz intensiver Forschung existiert bisher keine etablierte Therapie, die Demenz heilen kann. Mit geeigneter Prävention lässt sich das Demenzrisiko aber erheblich senken.

Wer ist betroffen? 
Weltweit wird sich die Zahl der Personen, die mit einer Demenzerkrankung leben, bis 2050 laut Prognosen verdreifachen (Dementia Forecasting Collaborators, The Lancet, 2022). Zwei Drittel der Demenzbetroffenen leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Grundeinkommen, wo die Zahlen besonders stark steigen. Frauen sind, unabhängig von demographischen Faktoren, etwas stärker betroffen als Männer desselben Alters. Je älter, desto häufiger erkranken Personen an Demenz, bei den über 80-jährigen geht man von 30% aus. In der Schweiz wird sich die Zahl der Demenzerkrankten bis 2050 vermutlich ungefähr verdoppeln.

Risikofaktoren
Ein grosser Bericht zur Demenzprävention aus 2020 (Livingston et al., The Lancet) hält fest, dass 40% des Demenzrisikos modifizierbar und damit potenziell verhinderbar sind. Der Bericht nennt 12 veränderbare Risikofaktoren für Demenz: tiefe Bildung, Bluthochdruck, Hörverlust, Rauchen, Übergewicht, hohen Alkoholkonsum, Schädelhirntrauma, Depression, körperliche Inaktivität, Diabetes, wenig Sozialkontakt sowie Luftverschmutzung. Würden diese Risiken konsequent vermindert, liesse sich das Demenzrisiko beinahe halbieren.

Wie entsteht Demenz?
Demenz ist eine erworbene, sich kontinuierlich verschlechternde Erkrankung des Gehirns, welche Gedächtnis, Sprache, Urteilsvermögen und Orientierung beeinträchtigt. Die Ursachen von Demenz sind vielfältig. Vaskuläre Demenzen entstehen durch Störungen der Blutgefässe; etwa durch langjährigen Bluthochdruck oder durch Gefässverschlüsse mit einer Summe von kleinen Infarkten im Gehirn. Wieder anderen Demenzformen können durch Infektionen mit z.B. Borrelien, HIV oder Syphilis, durch Alkoholabhängigkeit oder sonstige chronische Lebererkrankungen, durch chronische Erweiterung der inneren Liquorräume des Gehirns (Normaldruckhydrozephalus) sowie Blutungen oder Tumoren ausgelöst werden und sind teils behandelbar. Die überwiegende Mehrheit der Demenzformen, zu denen mit über 50% auch die Alzheimer-Erkrankung gehört, sind allerdings primär neurodegenerativ.  Dabei kommt es zum Untergang der Neuronen und zu einer Verkleinerung des Gehirnvolumens in bestimmten Arealen. Je nachdem, welches Gehirnareal hauptsächlich betroffen ist, stehen andere Funktionseinschränkungen im Vordergrund. Vermutet wird, dass die Ablagerung von plaquebildenden Proteinen im Gehirn (Beta-Amyloid, Tau) zu Entzündungsprozessen führt, welche den Untergang der Neuronen bewirken. Kontrovers ist diese These insofern, als dass Therapien, welche die Proteinablagerungen reduzieren oder auflösen, die klinischen Symptome bisher nur bedingt mildern können. Zudem können auch Gehirne von Personen, die zu Lebzeiten nicht an Demenz erkrankt sind, solche Proteinablagerungen aufweisen. Es scheint also noch weitere Faktoren zu geben, welche den Prozess der Neurodegeneration zusätzlich beeinflussen. Bereits zehn oder zwanzig Jahre bevor sich erste klinische Symptome einer Demenz zeigen, beginnen sich, in einer sogenannt präklinischen Phase, die Proteine im Gehirn abzulagern. Es folgt das Prodromalstadium mit milden kognitiven Symptomen, die langsam zunehmen, bis sich schliesslich eine klinisch manifeste Demenz daraus entwickelt.  Dies erklärt, weshalb Demenzprävention nicht erst im höheren Lebensalter, sondern bereits Jahrzehnte davor ansetzen muss, um erfolgreich in den Entstehungsprozess einzugreifen. 

Individuelle Verhaltensmassnahmen zur Demenzprävention
Der Lancet-Bericht empfiehlt zur individuellen Demenzprävention folgende Verhaltensmassnahmen: 

  • Systolischen Blutdruck auf <130 mm Hg halten bzw. senken (bereits ab 40 Jahren)
  • Hörverlust frühestmöglich durch Hörgeräte therapieren und Gehör vor exzessiver Lärmbelastung schützen
  • Rauchstopp (auch im hohen Alter noch wirksam zur Demenzprävention)
  • Passivrauchen und Luftverschmutzung vermeiden (Herdfeuer, Autoabgase etc.)
  • Alkoholkonsum beschränken, da Alkoholkonsum >21 Einheiten pro Woche das Demenzrisiko nachweislich erhöht (1 Einheit = 10g Alkohol, entspricht 1 Standardglas Wein bzw. 0,3 l Bier)
  • Schädelhirntrauma durch Unfälle oder Risikosportarten vermeiden
  • Übergewicht und damit verbundenen Diabetes Typ 2 vermeiden

Gesellschaftliche Massnahmen zur Demenzprävention
Demenz betrifft nicht nur die Einzelperson und ihre pflegenden Angehörigen, sie stellt die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor eine Herausforderung. Demenzprävention muss deshalb nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf politischer Ebene stattfinden, indem ein Umfeld geschaffen wird, in welchem jedes Individuum eine umfassende Grund- und Sekundarschulbildung erhält, wenig Luftverschmutzung und Passivrauchen ausgesetzt ist und sich in einer Welt bewegt, die körperliche Aktivität erlaubt und fördert, um in diesem Kontext das persönliche Demenzrisiko möglichst günstig zu beeinflussen.  

Teil 2: Prävention der Demenz in Kindheit, Jugend und mittlerem Erwachsenenalter